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<title>Kongo-Saharanisch</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Kongo-Saharanisch</span></h1>
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<p><b>Kongo-Saharanisch</b> ist eine von Edgar Gregersen begründete afrikanische <a href="Makrofamilie" title="Makrofamilie">Makrofamilie</a>, die die beiden von <a href="Joseph_Greenberg" title="Joseph Greenberg">Joseph Greenberg</a> etablierten Sprachfamilien <a href="Niger-Kongo-Sprachen" title="Niger-Kongo-Sprachen">Niger-Kongo</a> und <a href="Nilosaharanische_Sprachen" title="Nilosaharanische Sprachen">Nilosaharanisch</a> zu einer <a href="Genetische_Einheit" title="Genetische Einheit">genetischen Einheit</a> zusammenfasst. Diese Hypothese wird bisher nur von einer Minderheit der Afrikanisten akzeptiert.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Greenbergs_Einteilung_der_afrikanischen_Sprachen">Greenbergs Einteilung der afrikanischen Sprachen</h2></div>
<p>Nach <a href="Joseph_Greenberg" title="Joseph Greenberg">Greenbergs</a> abschließendem Werk <i>The Languages of Africa</i> von 1963 gehören alle <a href="Afrikanische_Sprachen" title="Afrikanische Sprachen">afrikanischen Sprachen</a> zu einer der vier großen Familien <a href="Afroasiatische_Sprachen" title="Afroasiatische Sprachen">Afroasiatisch</a>, <a href="Nilosaharanische_Sprachen" title="Nilosaharanische Sprachen">Nilosaharanisch</a>, <a href="Niger-Kongo-Sprachen" title="Niger-Kongo-Sprachen">Niger-Kongo</a> und <a href="Khoisan-Sprachen" class="mw-redirect" title="Khoisan-Sprachen">Khoisan</a>. Während die ersten drei inzwischen allgemein als <a href="Genetische_Einheit" title="Genetische Einheit">genetische Einheiten</a> anerkannt sind, gilt das Khoisan heute eher als ein arealer <a href="Sprachbund" title="Sprachbund">Sprachbund</a> mit <a href="Sprachtypologie" title="Sprachtypologie">typologischen</a> Gemeinsamkeiten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Gregersens_Kongo-Saharanisch-Hypothese">Gregersens Kongo-Saharanisch-Hypothese</h2></div>
<p>Einige Jahre später (1972) legte Edgar Gregersen seine Studie <i>Kongo-Saharan</i> vor, in der er Niger-Kongo und Nilosaharanisch zu einer neuen <a href="Genetische_Einheit" title="Genetische Einheit">genetischen Einheit</a> <i>Kongo-Saharanisch</i> zusammenfasste.
</p>
<ul><li><b>Kongo-Saharanisch</b>
<ul><li><i><a href="Nilosaharanische_Sprachen" title="Nilosaharanische Sprachen">Nilosaharanisch</a></i></li>
<li><i><a href="Niger-Kongo-Sprachen" title="Niger-Kongo-Sprachen">Niger-Kongo</a></i></li></ul></li></ul>
<p>Was zunächst wie ein Rückschritt auf Positionen von <a href="Carl_Meinhof" title="Carl Meinhof">Carl Meinhof</a> aussah – dieser nannte die Gruppe der Sprachen, die man heute zum Niger-Kongo (ohne <a href="Bantusprachen" title="Bantusprachen">Bantusprachen</a>) und zum Nilosaharanischen rechnet, „Sudanische Sprachen“ – stellte sich als ein linguistisch durchaus ernst zu nehmender Versuch heraus, eine neue große afrikanische Spracheinheit zu begründen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Die_Hauptargumente">Die Hauptargumente</h2></div>
<p>Gregersens Hauptargumente waren:
</p>
<ul><li>Die Unsicherheit in der Klassifikation des <a href="Songhai-Sprachen" title="Songhai-Sprachen">Songhai</a>, das zunächst zu den <a href="Mande-Sprachen" title="Mande-Sprachen">Mande-Sprachen</a> (<a href="Maurice_Delafosse" title="Maurice Delafosse">Maurice Delafosse</a> 1924), dann zu den <a href="Gur-Sprachen" title="Gur-Sprachen">Gur-Sprachen</a> (<a href="Diedrich_Westermann" title="Diedrich Westermann">Diedrich Westermann</a> 1927) gerechnet, anschließend als <a href="Isolierte_Sprachen" class="mw-redirect" title="Isolierte Sprachen">isolierte</a> Sprache klassifiziert (Westermann und Bryan 1952, Greenberg 1955) und schließlich von <a href="Joseph_Greenberg" title="Joseph Greenberg">Joseph Greenberg</a> (1963) dem <a href="Nilosaharanische_Sprachen" title="Nilosaharanische Sprachen">Nilosaharanischen</a> angegliedert wurde.</li>
<li>Ähnlichkeiten <a href="Morphologie_(Sprache)" class="mw-redirect" title="Morphologie (Sprache)">morphologischer</a> Elemente, so z.&nbsp;B. die <i>t/k</i> – Singular/Plural – Opposition des Songhai und die <a href="Nominalklassen" class="mw-redirect" title="Nominalklassen">Nominalklassen</a> 5/6 des <a href="Bantusprachen" title="Bantusprachen">Bantu</a> mit den <a href="Pr%C3%A4fix" title="Präfix">Präfixen</a> <i>de- / ga-</i>.</li>
<li><a href="Wortschatz" title="Wortschatz">Lexikalische</a> Gemeinsamkeiten; hier sind die in beiden Familien weit verbreiteten Wörter für z.&nbsp;B. „wissen“, „kaufen“, „Hals“, „Zunge“, „Zahn“, „Stein“ und „Mond“ zu nennen, die allerdings auch einige <a href="Afroasiatische_Sprachen" title="Afroasiatische Sprachen">afroasiatische</a> Parallelen haben.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Unterstützung_durch_andere_Forscher"><span id="Unterst.C3.BCtzung_durch_andere_Forscher"></span>Unterstützung durch andere Forscher</h2></div>
<p>Hans G. Mukarovsky vertrat ebenfalls die Ansicht (1966, 1977), dass das Songhai mit den Mande-Sprachen verwandt sei. Er fasste die Mande-Sprachen und das Songhai zu einer fünften afrikanischen Sprachfamilie zusammen, die er „Westsahelisch“ nannte. Eine Vereinigung der beiden großen Familien nach dem Vorbild Gregersens lehnte er ab.
</p><p>Gregersen bekam von einigen anderen Forschern Unterstützung. Denis Creissels stellte 1981 ebenfalls beachtliche Ähnlichkeiten zwischen den Mande-Sprachen und dem Songhai fest und hielt Gregersens Kongo-Saharanisch-Hypothese für wahrscheinlich. Raymond Boyd (1978) dokumentierte lexikalische Gemeinsamkeiten zwischen den <a href="Adamawa-Ubangi-Sprachen" title="Adamawa-Ubangi-Sprachen">Adamawa-Ubangi-Sprachen</a> und verschiedenen Zweigen des Nilosaharanischen. M. Lionel Bender wird 1981 nach eigenen Untersuchungen zum Fürsprecher des Kongo-Saharanischen, möglicherweise unter Einbeziehung des <a href="Omotische_Sprachen" title="Omotische Sprachen">Omotischen</a>, das inzwischen (1969) von Harold C. Fleming von den kuschitischen Sprachen abgetrennt und als sechster Primärzweig des <a href="Afroasiatische_Sprachen" title="Afroasiatische Sprachen">Afroasiatischen</a> etabliert worden war. Roger M. Blench (1995) unterstützte die kongo-saharanische Hypothese durch die Darstellung weiterer lexikalischer und phonologischer Parallelen. Er sieht das Niger-Kongo allerdings nicht als gleichrangig mit dem Nilosaharanischen, sondern eher als einen Parallelzweig des Zentralsudanischen und Kadugli innerhalb des Nilosaharanischen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Fehlende_Akzeptanz">Fehlende Akzeptanz</h2></div>
<p>Generell ist zu sagen, dass die Kongo-Saharanisch-Hypothese Gregersens zwar einige interessante Studien zu diesem Thema ausgelöst hat, aber dennoch die Mehrheit der Afrikanisten weiterhin von zwei eigenständigen afrikanischen Sprachfamilien Niger-Kongo und Nilosaharanisch ausgeht, wobei letztere durchaus noch nicht von allen Forschern im vollen Umfang Greenbergs als <a href="Genetische_Einheit" title="Genetische Einheit">genetische Einheit</a> anerkannt worden ist.
</p><p>Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass die <a href="Protosprache" class="mw-redirect" title="Protosprache">Protosprachen</a> des Niger-Kongo noch gar nicht, des Nilosaharanischen erst vor kurzem (Ehret 2001) rekonstruiert wurden. Somit ist ein Sprachvergleich auf der Ebene der Protosprachen nicht möglich, wie er etwa von <a href="Sergei_Anatoljewitsch_Starostin" title="Sergei Anatoljewitsch Starostin">Sergei Anatoljewitsch Starostin</a> für das <a href="Dene-Kaukasisch" title="Dene-Kaukasisch">Dene-Kaukasische</a> und von <a href="Aharon_Dolgopolsky" title="Aharon Dolgopolsky">Aharon Dolgopolsky</a> für das <a href="Nostratisch" title="Nostratisch">Nostratische</a> geleistet wurde. Ein weiteres Problem stellt die große Zeittiefe dar: für die beiden Protosprachen des Niger-Kongo und Nilosaharanischen wird ein Alter von mindestens 10.000 Jahren angesetzt, dann müsste ein Proto-Kongo-Saharanisch mindestens 15.000, wenn nicht 20.000 Jahre zurückreichen. Viele Forscher bezweifeln es, dass sich nach so langer Zeit noch phonetische, grammatische oder lexikalische Gemeinsamkeiten der beiden Sprachfamilien nachweisen lassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Afrikanische_Sprachen">Afrikanische Sprachen</h3></div>
<ul><li>Joseph Greenberg: <i>The Languages of Africa.</i> Mouton, The Hague and Indiana University Center, Bloomington 1963.</li>
<li>Bernd Heine und andere (Hrsg.): <i>Die Sprachen Afrikas.</i> Buske, Hamburg 1981.</li>
<li>Bernd Heine und Derek Nurse (Hrsg.): <i>African Languages. An Introduction.</i> Cambridge University Press 2000.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Niger-Kongo_und_Nilosaharanisch">Niger-Kongo und Nilosaharanisch</h3></div>
<ul><li>John Bendor-Samuel (Hrsg.): <i>The Niger-Congo Languages: A Classification and Description of Africa’s Largest Language Family.</i> University Press of America, Lanham, New York/London 1989. (Die einzige umfassende Darstellung des Niger-Kongo und seiner Untereinheiten, in der Klassifikation teilweise veraltet.)</li>
<li>Lionel M. Bender: <i>The Nilo-Saharan Languages: A Comparative Essay.</i> Lincom Europa Verlag, München 1997.</li>
<li>Christopher Ehret: <i>A Historical-Comparative Reconstruction of Nilo-Saharan</i>. Rüdiger Köppe Verlag, Köln 2001.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kongo-Saharanisch">Kongo-Saharanisch</h3></div>
<ul><li>Merritt Ruhlen: <i>A Guide to the World’s Languages. Classification.</i> Arnold, Stanford 1987.</li>
<li>Edgar Gregersen: <i>Kongo-Saharan.</i> Journal of African Languages, 1972.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Makrofamilien" class="mw-redirect" title="Makrofamilien">Makrofamilien</a></li>
<li><a href="Joseph_Greenberg" title="Joseph Greenberg">Joseph Greenberg</a></li>
<li><a href="Afrikanische_Sprachen" title="Afrikanische Sprachen">Afrikanische Sprachen</a></li>
<li><a href="Niger-Kongo-Sprachen" title="Niger-Kongo-Sprachen">Niger-Kongo-Sprachen</a></li>
<li><a href="Nilosaharanische_Sprachen" title="Nilosaharanische Sprachen">Nilosaharanische Sprachen</a></li></ul></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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